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Datum:   28.03.2001
Ressort:   Lokales
Autor:   Anja Medau

Große Gefühle, große Teller

Julia Regehr tischt bei "Pasta Opera" ihren Gästen italienische Arien und jede Menge Nudeln auf

Erschrocken schaut der Restaurantbesucher auf die Dame im barocken Kostüm, denn die setzt sich plötzlich auf seinen Schoß und singt. Und unter dem Gelächter der anderen Gäste küsst sie ihn nach Beendigung ihrer Arie auch noch auf die Glatze.

Der Mann hätte wissen können, was ihn erwartet. Denn "Pasta Opera" ist nichts Geringeres als der Versuch, "das Gefühl einer italienischen Großfamilie zu schaffen." Das sagt Julia Regehr, 36 Jahre alt und Initiatorin des Abends, den sie in dieser Form seit mittlerweile drei Jahren organisiert. "Pasta Opera" ist ein viergängiges Menü mit jeder Menge italienischer Oper und noch mehr italienischen Nudeln. Zu erleben ist der mediterrane Abend jeden zweiten Dienstag im Oxymoron in den Hackeschen Höfen und einmal monatlich in der Vineria Franzotti in Kreuzberg.

Kerzen flackern auf den weiß gedeckten, langen Tafeln, kleine Papierrollen sind mit roten Gummis an Kerzen oder Weintrauben gebunden. Rätsel und Gedichte sind darauf geschrieben, damit die Gäste sich untereinander unterhalten, wenn gerade niemand singt. Die Kristallleuchter an der Decke tauchen den beige-gestreift tapezierten Raum in goldenes Licht.

Im plüschigen Ambiente des Oxymoron jagt Don Giovanni seine Geliebte die langen Tischreihen hindurch, immer eine Arie auf den Lippen. Unterdessen essen die Gäste weiter. "Ich liebe diese lockere Atmosphäre, hier ist das alles nicht so steif wie in der Oper", sagt einer und schlürft eine Auster aus. Fünf Opernsänger schmettern Verdis "Traviata", Mozarts "Cosi fan tutte", Rossini, Donizetti oder Puccini - eine Mischung aus Opern-Ohrwurm und Appetit-Anreger. Die Sänger sind Profis. Manche singen schon mal für die Neuköllner Oper, andere für freie Produktionen in Rheinsberg.

Julia Regehr führt durch den Abend. In ihrem hellblau-verwaschenen Barockkostüm mit seitlich ausladendem Untergestell trippelt sie mit blonder Hochsteckfrisur, weiß gepudertem Gesicht und knallrotem Mund durch den Raum. Charmant führt sie durch den Abend, mit großen Gesten und betont lustig dreinschauend.

Sehnsüchte und Sinne will Julia Regehr mit ihrer Show wecken und die italienische Oper drückt für sie all diese Gefühle aus. "Alle die hier sitzen sind geboren und alle werden sterben. In diesem Sinne sind alle gleich und wir sind die Oper des Lebens", sagt sie wie beiläufig und dreht ihren rosenbestickten Schirm vor der Nase eines Gastes herum. Der Besucher soll "sein Herz öffnen, damit er Essen, Musik und Gemeinschaft aufnehmen kann". Satt wird er dabei sicher.

Pasta Opera: Termine und Kartenreservierung unter 788 66 44.

BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF

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